
V. Diskussion
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Gruppe II tatsächlich auf der Vermeidung von Hypothalamusschädigungen und nicht
etwa auf der geringfügig anderen Operationstechnik oder der Verwendung anderer
Fremdmaterialien beruht, wurde ein drittes Experiment als „Gegenprobe“
durchgeführt. Hierzu wurde das Makrosphärenmodell modifiziert: Statt 4 bis 6
Makrosphären wurden 10 Keramikkugeln injiziert. Dadurch wurde ein langstreckiger
Verschluss der distalen A. carotis interna gewährleistet, was -ähnlich wie bei dem
Fadenmodell- zu einem Verschluss der A. hypothalamica führt. Diese Tiere
entwickelten Hypothalamusinfarkte und zeigten eine pathologische Hyperthermie.
Eine statistische Betrachtung aller Tiere dieses Experiments (Gruppe I bis III) zeigte
eine hochsignifikante Korrelation zwischen der Körperkerntemperatur und dem
Vorhandensein von Hypothamalusinfarkten.
Die vorliegende Arbeit konnte somit die bereits von Li et al. und anderen aufgestellte
Hypothese zum Zusammenhang zwischen Hypothalamusinfarkten und Hyperthermie
erhärten, indem erstmalig ein Modell zur Gegenprobe herangezogen wurde, welches
ausgedehnte Hirninfarkte ohne Beteiligung des Hypothalamus zu induzieren vermag.
Im Gegensatz zu permanenten Gefäßverschlüssen kommt es in sogenannten
Ischämie-Reperfusionsmodellen, bei denen innerhalb von 120 Minuten eine
Reperfusion der A. cerebri media eingeleitet wird, nicht zu Hypothalamusinfarkten.
Auch eine pathologische Hyperthermie bleibt in diesen Modellen aus.
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Li et al
konnten anhand von magnetresonanztomographischen Verlaufsuntersuchungen
zeigen, dass der Abfall des zerebralen Blutflusses und der ADC-Werte innerhalb des
Hypothalamus sich komplett zurückbilden, wenn der Faden innerhalb von 90 Minuten
nach Ischämieinduktion entfernt wird. Nachdem die Tiere sich von der Anästhesie
erholt hatten, waren sie normotherm und zeigten bei der TTC-Färbung nach 24
Stunden keinen Hypothalamusinfarkt.
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Die Normalisierung der initial pathologisch
verminderten ADC-Werte ist bemerkenswert und belegt, dass Läsionen in der
diffusionsgewichteten Bildgebung nicht notwendigerweise eine Infarzierung des
betroffenen Gewebes anzeigen müssen. Diese Erholung des Hypothalamus unter
Ischämie-Reperfusionsbedingungen kann durch die multiple Blutversorgung dieses
Organs erklärt werden, welche hauptsächlich durch die A. hypothalamica, aber auch
durch Äste der A. cerebri anterior und A. communicans posterior gewährleistet wird.
Diese zusätzlich versorgenden Äste wurden durch den Faden nicht okkludiert und
scheinen den Blutfluss über die contralaterale Hemisphäre aufrecht zu erhalten.
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