
18 II. Literaturübersicht
Antagonisten kaum Nebenwirkungen. Memantin wirkt wie das physiologische
Magnesium, ist jedoch darüber hinaus in der Lage den NMDA-Rezeptor auch in
Gegenwart einer pathologisch anhaltenden Glutamatkonzentration im synaptischen
Spalt zu blockieren und das postsynaptische Neuron vor dem Glutamat-vermittelten
Kalzium-Einstrom zu schützen (neuroprotektiver Effekt). Bei einer hohen Freisetzung
von Glutamat, d.h. beim Eintreffen eines physiologischen Signals, verlässt Memantin
aufgrund seiner Spannungsabhängigkeit und schnellen Rezeptorkinetik kurzfristig
den NMDA-Rezeptor. Memantin vermindert somit das erhöhte synaptische Rauschen
und ermöglicht gleichzeitig, dass relevante physiologische Signale erkannt
werden.
109,111
Dizocilpin ist ebenfalls ein nicht-kompetitiver NMDA-Antagonist, der den
Rezeptorkanal blockiert. Im Gegensatz zu Memantin blockiert Dizocilpin nicht nur die
pathologische, sondern auch die physiologische Aktivierung des NMDA-Rezeptors,
da seine Spannungsabhängigkeit weniger ausgeprägt ist, er unter physiologischen
Bedingungen langsamer die Blockade des Kanals auflöst als Magnesium und es ihm
unmöglich ist, den Kanal innerhalb der Zeit einer normalen NMDA-Rezeptor-
vermittelten Exzitation nach dem synaptischen Potential zu verlassen.
111
Dadurch
treten die zuvor erwähnten Nebenwirkungen auf. Dizocilpin ist eine seit Jahren
bekannte Substanz, die vielfach getestet und gut untersucht ist. So wurde
beispielsweise gezeigt, dass dieser NMDA-Antagonist bei transienten globalen
zerebralen Ischämien am Gerbil vor einer hippocampalen Neurodegeneration
schützt.
55
Bei globalen Ischämien an der Ratte konnte dieser Effekt jedoch nicht
beobachtet werden.
22
Dagegen wurde in anderen Studien nachgewiesen, dass
Dizocilpin seinen neuroprotektiven Effekt vorwiegend in transienten
Fadenokklusionsmodellen der A. cerebri media entfaltet. Dabei wurde je nach
Studiendesign eine Infarktreduktion zwischen 20 und 70% beobachtet.
24,31,35,166
In
den meisten Studien, in denen eine permanente Gefäßokklusion durchgeführt wurde,
konnte kein signifikanter Effekt gezeigt werden.
24,79,101,104,167
Bei Untersuchungen zu fokalen zerebralen Ischämien konnte gezeigt werden, dass
der neuroprotektive Effekt von Dizocilpin von der Körpertemperatur der Versuchstiere
abhängt, da bei einer Hyperthermie kein signifikanter neuroprotektiver Effekt
festzustellen ist.
106
Andere Studien weisen darauf hin, dass Dizocilpin eine
Hypothermie verursacht und dadurch den neuroprotektiven Effekt erzielt.
23,29
Commenti su questo manuale